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Artikel-Schlagworte: „Nachkriegszeit“

Die Nachkriegsarchitektur

Bauwerke aus den 50er und 60er Jahren gelten in den meisten Kreisen als hässlich, seelenlos und längst veraltet. Die Architektur der Wiederaufbaujahre wird teilweise als “Anschlag auf das ästhetische Empfinden” bezeichnet, weil sie immer gleiche Muster verwendete, die schon bald in ihrem monotonen Äußeren keinen Anklang mehr fanden. Bereits seit den 80er Jahren tat man diese Bauweise als Bauwirtschaftsfunktionalismus ab. Doch mittlerweile ergreifen Fürsprecher Partei für die Architektur der Nachkriegszeit und fordern einen gerechteren Umgang mit den Betonstelzen. Als junge Baudenkmäler haben diese es nämlich sehr schwer. Doch nun werden einige individuelle und schöne Einzelbauten mustergültig saniert.
Grundidee war damals der Gedanke, mit neuen Materialien und Konstruktionsmethoden sowie abgestimmten Formen, etwas für die neuen Bedürfnisse der Gesellschaft zu errichten. Dahinter steckt eine funktionalistische Idee, mit der Baukörper, Fassaden, Räume und Stadtlandschaften als Bild eines völlig veränderten Lebensgefühls entstanden. Nur mit den nötigsten Mitteln und elementaren Grundformen sollten Bauten als neue Form des Minimalismus entstehen.
Einige Liebhaber dieser Architektur sehen in den Bauten Qualitäten einer formalen, fast poetischen Ordnung, deren charakteristischen Rasterfassaden mathematischer Typologie und differenzierten Rhythmen entspringen. Dieser Charme wird allerdings  nur einigen Einzelstücken zugesprochen. Die Architektur zeichnet sich vor allem durch Komposition und Lichtführung aus, doch sehen viele Nachkriegsbauten wegen fehlender Pflege schon sehr heruntergekommen aus. Teilweise vernachlässigte man die Substanz von Gebäuden sogar absichtlich, um einen schnelleren Abriss zu ermöglichen. Den klimatischen und energetischen Ansprüchen genügen die Bauten vor allem nicht und auch die traditionelle minimalistische Raumaufteilung aus dem sozialen Wohnungsbau der 20er Jahre, findet vor allem bei besser Verdienenden kaum Anklang.

Zehn Jahre lang kämpfte man zuletzt in Berlin um das Schimmelpfeng-Haus in der City-West und wollte zeigen, dass sich Alt und Neu durchaus zusammenbringen lässt. Doch auch diese Bemühungen blieben erfolglos und so wird das Haus nun abgerissen und muss zeitgenössischer Investorenarchitektur weichen.