Die Werkstätte Hagenauer in Wien

Hagenauer Jugendstil, Quelle: frankartculinary_flickr
Wien zeigt Entwürfe und Plastiken aus der traditionellen Werkstätte Hagenauer. Die Familie betrieb die Werkstätte fast ein Jahrhundert lang, von 1898 bis 1987. Nun zeigt eine Ausstellung mit Plastiken aus verschiedenen Privatsammlungen ihre Produktionsgeschichte.
Dank der kundigen Sammlerin Barbara Streisand sind Werke aus der Zeit des Jugendstils und Art Deco vorhanden. Neben Emile Gallé, Louis Majorelle, Louis Comfort Tiffany verfügt die Sängerin auch über Kunstwerke der Wiener Werkstätte Hagenauer, die im “Wagner:Werk – Museum Postsparkasse” mit etwa 200 Exponaten ausgestellt werden.
Die Hagenauers nutzen meist Holz und Metall als Material. Die Werkstätte wurde von Carl Hagenauer gegründet, der eine Ausbildung als Silberschmied, Ziseleur und Gürtel hatte. Damals wurden gewöhnliche Bronzewaren verkauft. Mit dem Jugendstil kam die Wende und weiche natürliche Linien prägten die Plastiken.
Carls Sohn Karl Hagenauer revolutionierte die Werkstätte. Der Einfluss seiner Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann, Metallarbeiten, und Anton Hanak, Bildhauerei, wurde deutlich spürbar. Der üppige Décor des Jugendstils wich einem neuen sachlichen Stil mit klaren und geraden Formen. In seinem Repertoire portraitierte er sogar die umstrittene als skandalös empfundene Josephine Baker. Baker trat im März 1928 in Wien auf. Bereits im Vorfeld wurde die avantgardistische Tänzerin verteufelt. Ihr Tanzstil neben der Klassik wurde als ein Tunnel zum Abgrund gesehen. Hagenauer verewigte Bake in Messing im Jahr 1929. Die Plastik ist sehr skurril und ähnelt stark einem kleinen Männchen vom Mars. Damals arbeitete der Handwerker mit Kühlfiguren. Diese waren ab Mitte der 30er Jahre passé. Die Kühlsysteme der Autos wurden nun unter Motorhauben platziert, so dass ein externer Verschluss, aus dem Hagenauer seine Figuren gestaltete, nicht mehr notwendig waren.
Mit seinem hohen künstlerischen Niveau schaffte Karl Hagenauer endgültig aus Folklore, zeitgenössische Eleganz zu schaffen. Sein Werk verdient es absolut, ausgestellt zu werden.




